Marktentwicklung
Der erste Bezirk bleibt dabei allerdings ein Sonderfall. In den anderen Zentrumsbe- zirken werden Standardobjekte aktuell zu durchschnittlichen Quadratmeterpreisen von 2.000 bis 4.000 Euro gehandelt. Früher erzielbare Höchstwerte von bis zu 8.000 Euro liegen weit außer Reichweite. Außerhalb des Gürtels werden Objekte in weniger attraktiven Lagen mitunter auch schon um 1.000 bis 1.500 Euro/m² angeboten. Dieser unterschiedliche Marktverlauf führt zu einer deutlich stärker differenzierten Preislandschaft, in der sich Lage- und Objektqualitäten wieder klarer in den
Bewertungen niederschlagen. Das kann durchaus positiv betrachtet werden und ist eine gute Basis für eine solide Entwicklung in der Zukunft. Ein positiver Trend ist auch, dass die für einige Jahre fast gänzlich inaktiven privaten Zinshauskäufer wieder verstärktes Inter- esse zeigen. Eigenkapitalstarke Investoren nutzen das attraktive Preisniveau, um ihren Bestand auszubauen. Dabei dominieren in den guten und sehr guten Lagen Privat- stiftungen und große Family Offices mit überwiegend sehr langfristigen Interessen. Stark wachsend ist dabei das Engagement der Investmentgesellschaften, in denen
mehrere finanzstarke Privatinvestoren ihre Interessen bündeln und gemeinsam beachtliche Portfolios aufbauen. Unter- nehmen aus dem Segment haben 2025 und 2026 einige der größten Transaktionen abgeschlossen. An peripheren und kostengünstigeren Standorten kommen meist kleinere Privatinvestoren zum Zug. Oft werden die Objekte dann parifiziert und in Form von Eigentumswohnungen abverkauft. Dieses Geschäftsmodell ist derzeit besonders attraktiv, da der „Spread“ zwischen Zinshaus- und Wohnungspreisen historisch hoch ist.
Quelle: EHL Market Research | Q1 2026 Kaufpreise in EUR/m²
6.300–11.000 2.100–6.300 1.400–4.850 1.100–3.200
Weiterhin rückläufig ist hingegen das Engagement institutioneller Investoren, wobei vor allem Versicherungen eher auf der Verkäuferseite anzutreffen sind und ihre oft über Jahrzehnte aufgebauten Bestände teilweise reduzieren. Verkaufsmotiv ist dabei in erster Linie der hohe Verwaltungsaufwand bei historischen, meist kleinteilig vermieteten Objekten sowie die geringeren Deckungs- stockerfordernisse aufgrund abschmelzender Lebensversicherungsbestände, aber natürlich auch die Aufdeckung stiller Reserven und damit ein willkommener Beitrag zum Unter- nehmensergebnis. Einiges Potenzial hat auch das Engagement gemeinnütziger Bauträger. Als Beispiel kann hier der Marktführer Sozialbau genannt wer- den, der das günstige Preisniveau in dezentra- len Lagen nutzt, um leistbaren Wohnraum zu schaffen und Objekte in WGG zu überführen. Hintergrund ist die eingeschränkte Verfüg- barkeit von großvolumigen Grundstücken für geförderten Wohnbau sowie regulative Einschränkungen bei den Errichtungskosten. Die Sanierung von Zinshäusern stellt daher eine andere Variante zur Produktion von kostengünstigem Wohnraum dar.
Zinshausmarkt nach Käufern
Zinshausmarkt
Ausblick
nach Transaktionsvolumen pro Objekt
Abschließend muss festgehalten werden, dass der Wiener Zinshausmarkt aktuell unter erhöhter Verunsicherung leidet, die durch die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten hervorgerufen wurde. Die Energie(preis)krise, die maßgeblichen Einfluss sowohl auf Inflations- als auch Zinsentwicklung nehmen wird, hat den erfreulichen Aufwärtstrend leider wieder abgeschwächt. Da der Zinshausmarkt primär von österreichischen Playern dominiert wird und die Verwerfungen des internationalen Zins- und Kapital- markts nicht 1:1 durchschlagen, gehen wir davon aus, dass die Auswirkungen auf den Wiener Zinshausmarkt nicht so drastisch sein werden wie im gewerblichen Segment, das stärker von internationalen Käufern abhängig ist. Wie genau die weitere Entwicklung allerdings vonstattengehen wird, hängt maßgeblich davon ab, wie lange die Krise um die Straße von Hormus andauern wird und ob es im Laufe des Jahres wieder zur gewohnten Versorgung der globalen Märkte mit Energie kommt.
1-2 M EUR 2-4 M EUR <1 M EUR
> 10 M EUR 6-10 M EUR 4-6 M EUR
Projektentwickler Stiftungen & Private Banken & Versicherungen
Die verarbeiteten Daten beziehen sich auf die bis 2025 grundbücherlich erfassten Transaktionen (Asset Deals/ Share Deals). Abweichungen zu den Vorjahren können sich durch nachträgliche Eintragungen ergeben.
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