Wiener Wohnungsmarkt Marktupdate | H1 2026

Ausblick

Steigende Mieten und wieder anziehende Eigentumspreise prägen die kommenden Quartale.

Der Ausblick für den Wiener Wohnungsmarkt bestätigt die bisherigen Erwartungen. Aufgrund der rückläufigen Baubewilligungs- und Fertig- stellungszahlen wird sich die Angebotslücke in den kommenden Quartalen weiter vergrößern. Dies wird sich unweigerlich in weiter steigenden Mieten und – bei anhaltender Nachfrage – zu- nehmend auch in steigenden Wohnungspreisen niederschlagen. Die anhaltend schwache Konjunktur sowie die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten belasten das Marktumfeld zusätzlich. Die dar- aus resultierende Unsicherheit führt dazu, dass Kaufentscheidungen weiterhin sorgfältig abge- wogen werden und bis zum Abschluss deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass Projektverschiebungen und Entwicklungsstopps auch in den kommenden Monaten anhalten und das ohnehin knappe Neubauangebot weiter reduzieren. Hingegen haben sich die Energiepreise bis zur Jahresmitte wieder weitgehend auf das Vor-

kriegsniveau normalisiert. Dadurch konnten die inflationären Tendenzen deutlich abgeschwächt werden, was die Aussichten auf eine stabile beziehungsweise nur moderat steigende Leit- zinsentwicklung verbessert. Für Wohnungssu- chende bedeutet dies eine Stabilisierung der Fi- nanzierungskosten, während Projektentwickler gleichzeitig von einer teilweisen Entspannung bei den Kosten energieintensiver Baustoffe wie Zement oder Stahl profitieren. Der im zweiten Quartal beobachtete Transak- tionsschub infolge des Vorziehens von Woh- nungskäufen vor dem Auslaufen des Wohnpa- kets wird im zweiten Halbjahr leicht abflachen, ohne dass sich die zugrunde liegende hohe Nachfrage nachhaltig verändert. Die im Zuge der Budgetsanierung beschlosse- nen Maßnahmen werden sich zudem belas- tend auf die Immobilienwirtschaft auswirken. Insbesondere die stärkere Besteuerung von Veräußerungsgewinnen bei langfristig gehal- tenen Liegenschaften sowie von Widmungs-

gewinnen dürfte die Verfügbarkeit von Bauland weiter einschränken. Es ist jedoch nicht davon

auszugehen, dass viele Grundstückseigentü- mer das Zeitfenster bis zum Inkrafttreten der Neuregelungen Anfang 2027 für vorgezogene Verkäufe nutzen werden. Auch der erhöhte Investitionsfreibetrag (IFB) wird angesichts der angespannten wirtschaftlichen Situation vieler Projektentwickler voraussichtlich nur begrenzte Investitionsanreize setzen. Insgesamt ist daher davon auszugehen, dass das Wohnungsangebot bei unverändert ho- her Nachfrage weiter sinken wird. Die Mieten werden daher weiter deutlich anziehen und ab dem kommenden Jahr ist

auch im Eigentumssegment wieder mit stärkeren Preis- steigerungen zu rechnen.

Karina Schunker MA MRICS k.schunker@ehl.at

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