Wiener Zinshausmarktbericht 2021

Gemeinsam erfolgreich

2. Basisstationen für Online-Supermärkte Die Covid-bedingten Beschränkungen haben dem Online-Lebensmittelhandel massiven Auftrieb verschafft. Reine Online-Supermärkte wie gurkerl.at oder alfies.at benötigen für die rasche Zustellung (in max. 30 Minuten), nahe bei ihren Kunden Lager- und Manipulierflächen ab 300 m². 3. Shared-Space-Büroräumlichkeiten Home-Office und die steigende Zahl neuer Selbst- ständiger schaffen Bedarf nach kleinen, flexibel nutzbaren Büros in Wohngegenden, insbesondere in guten Lagen mit hohem Anteil von in Bürojobs beschäftigten Personen. 4. Fitness-Boutiquen Auch die die „sportliche Nahversorgung“ gewinnt an Bedeutung. Trotz der massiven Einschränkun- gen für Fitnessstudios suchen derzeit mehrere Konzepte Flächen von 100 bis 200 m² für „Fitness-Boutiquen“ für Kunden aus der unmittel- baren Umgebung. 5. Gesundheitsdienstleister Für Ordinationen, Physiotherapie, Massage etc. sind Erdgeschoße deutlich besser geeignet als umfunktionierte Wohnungen. Für diese Nutzun- gen sind selbst sehr kleine Flächen ab 50 m² geeignet, idealerweise mit eigenem Eingang. 6. Tourismus und Kurzfristwohnen Kurzfristiges Wohnen und touristische Nächti- gungsangebote eröffnen besonders in der Nähe touristischer Hotspots – Innenstadt, Schönbrunn, Belvedere – interessante Ertragspotenziale. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind aber in jedem Einzelfall genau zu prüfen. 7. Selfstorage Selbst wenn ein Standort tatsächlich nur für Lagerflächen geeignet sein sollte, können diese in attraktiver Form das Objekt insgesamt auf- werten. Selfstorage-Lagerflächen mit digitalen 24/7-Zutrittssystemen und Abteilen ab einem Quadratmeter von Konzepten wie z. B. StoreBox sind äußerst expansiv und suchen nach Flächen ab 100 m² (manchmal bis 500 m²) an guten Standorten.

Wien-3420-Vorstand Gerhard Schuster über Erkenntnisse aus dem erfolgreichen Erdge- schoßmanagement in Aspern und wie sie sich auf Zinshauslagen übertragen lassen.

Hat die gemeinsame Vermarktung der EG-Flächen in der Seestadt Aspern die Erwartungen erfüllt? Es gibt kaum Leerstand und praktisch keine Zahlungsausfälle. Entscheidend war die Mischung kommerzieller und kulturell / sozialer Nutzungen. Dafür haben wir drei Zonen definiert: gemanagte Kernzone („rote Zone“), „blaue Zone“ für kom- plementäre Branchen und die „Impulsräume“ mit branchenbezogenen Mietzinsgestaltungen und der Übernahme von Leerstandsrisken, da die Flächen ja auch in der Seestadt verschiedenen Eigentümern gehören. In der Impulszone sind Vereine, Kultur- initiativen und ausgewählte Handwerksbetriebe eingemietet, in der Kernzone vereinbaren wir bran- chenbezogene Mieten für Gastronomie, Lebens- mittel- oder Drogeriemärkte. In den kommerziellen „Ergänzungszonen“ nehmen die Bauträger Bedacht auf die ortsüblichen Mietzinse und die Branchenbe- dürfnisse im Handel, beim Handwerk oder Ärzten und Gesundheitsberufen. Funktioniert dieses Konzept auch bei Zinshäusern? Grundsätzlich ja, das zeigen Beispiele etwa in Deutschland oder UK. In der Praxis wird es aber nur klappen, wenn die Stadt die Initiative ergreift oder private Initiativen entsprechend unterstützt. Wichtig ist auch eine Einbeziehung des öffentlichen Raums. Da müssen womöglich ein paar Parkplätze aufgegeben werden, um z. B. ein Geschäfts- oder Gastronomielokal aus der Fassadenreihe in den Straßenbereich hinein zu erweitern. Aber wenn es mit ein wenig finanzieller und viel planerisch/ gestalterischer Unterstützung der Stadt gelingt, zumindest 20 Objekte in einem Gebiet gemeinsam zu managen, können alle Eigentümer nachhaltig von einem lebendigen Grätzel mit Geschäften, Kleinge- werbe und zusätzlichen Arbeitsplätzen profitieren.

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