Vorsorgewohnungsmarktbericht | Frühjahr 2025

Ressourcenschonung, Ökologisierung und Bodenverbrauch

Das Thema Nachhaltigkeit hatte schon einmal bessere Konjunktur als heute. Wie will man in einer Zeit, in der die Leistbarkeit des Wohnens das anscheinend alles beherrschende Thema ist, mit Umweltschutz punkten?

Bei Nachhaltigkeit geht es uns nicht nur um ökologische Optimierung. Soziale Nachhaltigkeit ist ebenso wichtig und speziell mit diesem Aspekt sind wir perfekt am Puls der Zeit. Nachhaltigkeit hat viele und massiv positive Kosteneffekte, sie steht also nicht im Widerspruch zu Leistbarkeit, sondern ist geradezu Voraussetzung dafür. Und damit ist sie gleichzeitig auch ein enorm wichtiger Erfolgsfaktor für Investoren, egal ob für institutionelle, die ganze Objekte, oder private, die einzelne Vorsorgewohnungen vermieten. In manchen Bereichen ist dieser Zusammenhang unmittelbar und auf den ersten Blick erkennbar wie etwa bei der Minimierung von Heizkosten durch energieeffiziente Gebäude oder durch Nutzung nachhaltiger Energiequellen. Hier liegt die durch Nachhaltigkeit erzielbare Senkung der Wohnkosten auf der Hand, bei anderen Nachhaltigkeitsthemen ist der Zusammenhang komplexer und wir müssen an der Bewusstseinsbildung arbeiten.

Worauf konkret spielen Sie an?

Eines der wichtigsten Themen ist z.B. die Nachhaltigkeit von Standorten, ganz unabhängig von der Nachhaltigkeit eines dort errich- teten Gebäudes. Wenn wir das Konzept der Wohnkosten weiter fassen als das, was offiziell unter Betriebskosten geführt wird, gibt es hier ebenfalls massive Einflüsse. Ein Standort, der an den öffentlichen Verkehr so mangelhaft angebunden ist, dass jeder Haushalt ein oder zwei Autos benötigt, ist für die Mieter teuer und damit weniger sozial nachhaltig als ein Standort, bei dem diese Kosten in einem geringeren Ausmaß anfallen. Ein Objekt, das auf der grünen Wiese gebaut wird und für das noch Verkehrswege, Kanal- und Stromanschlüsse sowie urbane Infrastruktur wie etwa Kindergärten und Schulen zu errichten sind, hat nicht nur aus ökologischer Sicht Nachteile, sondern ist für eine Kommune auch teuer und damit nicht nur ökologisch weniger nachhaltig als Stadtverdichtung.

Die Nachhaltigkeit einer Immobilie ist für Anleger wie für Mieter sicher nicht leicht zu beurteilen – welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang Nachhaltigkeitszertifikate?

Um die Nachhaltigkeit eines Gebäudes zu beurteilen, müssen sehr viele Faktoren geprüft und beurteilt werden. Nachhaltigkeit basiert nicht nur auf ökologischen Maßnahmen, sehr wichtig sind auch soziale und wirtschaftliche Kriterien. Will ein Anleger oder Mieter vor Vertragsabschluss mehr über die Nachhaltigkeit des Objekts wissen, ist es notwendig, ein Zertifikat zu verlangen, dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit beurteilt. Ein bewiesen nachhaltiges Gebäude ist wertbeständig und wird den Menschen auch in vielen Jahren noch Freude machen - ein nicht unwesentlicher Aspekt für Anleger.

In Ihrem Zertifizierungssystem gibt es verschiedene Nachhaltigkeitsstandards. Lohnt es sich, immer das Toplevel anzustreben oder ist am Ende im Hinblick auf die wirtschaftliche Optimierung für Anleger auch z.B. das Silber-Zertifikat ausreichend?

Ein mit Silber zertifiziertes Gebäude erfüllt alle rechtlichen Aspekte der aktuellen Bauordnung und ist darüber hinaus in einzelnen As- pekten der Nachhaltigkeit gut geplant und saniert oder errichtet. Da lohnt sich ein Blick in die Details des Zertifikats, wo die Stärken des Objekts liegen. Generell gesagt, ist es nicht notwendig, nur nach Platin- oder Gold-Objekten zu suchen, denn wir dürfen nicht ver- gessen, dass die Erreichung von Gold oder Platin zusätzliche Investitionen verursachen, die sich in Kaufpreis oder Miete niederschla- gen. Nachhaltigkeit ist gut mit einer Triangel zu vergleichen: die drei „Ecken“ - Ökologie-Ökonomie-Soziales müssen im Gleichklang zueinander stehen. Ob das so ist, zeigt das DGNB Zertifikat der ÖGNI.

Mag. Peter Engert

CEO ÖGNI (Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immiobilienwirtschaft) - Austrian Sustainable Building Council

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